EGMR: ausgewählte "Communicated Cases" zu Art. 10 EMRK

Übersicht über ausgewählte anhängige "Communicated Cases" (den Konventionsstaaten mitgeteilte Fälle) zu Art. 10 EMRK

Diese Liste enthält derzeit (Stand 31.07.2017) vor dem EGMR anhängige Fälle, in denen eine Verletzung des Art. 10 EMRK geltend gemacht wurde und in denen eine veröffentlichte Mitteilung des Sachverhalts ("statement of facts"/"exposé des faits") an den betroffenen Staat ergangen ist. Die Liste ist chronologisch gereiht nach dem Datum des statement of facts.

Wichtig: die Liste ist - bei weitem - nicht vollständig; ich habe die statements of facts nicht systematisch und lückenlos geprüft und ich habe auch bewusst Fälle, die mir im Hinblick auf meine Interessen nicht wesentlich schienen, nicht aufgenommen; das betrifft insbesondere - aber nicht nur - zahlreiche Beschwerden gegen die Türkei (vor allem im Zusammenhang mit Maßnahmen gegen kurdische Politiker, Aktivisten oder Medien) sowie Fälle zu Russland und Aserbaidschan, in denen häufig zwar Art. 10 angesprochen ist, aber zu erwarten ist, dass der EGMR die Angelegenheit (vorrangig) unter Art. 11 EMRK (Versammlungsfreiheit) beurteilen wird. Bei der Liste handelt es sich um eine interne Arbeitsunterlage von mir, die ich "as is", ohne jegliche Gewähr, hier zugänglich mache.

Ich habe diese Liste zu meiner eigenen Erinnerung gemacht, und daher zu den einzelnen Fällen auch stichwortartig notiert, worum es im Wesentlichen geht (bzw. was mich an dem jeweiligen Fall interessiert) - dies ist aber nur als eine sehr grobe Orientierung zu sehen; für eine verlässliche Information ist in jedem Fall das Lesen des verlinkten statements of facts notwendig.

2018
  • 23.03.2018, Szyprowska gegen Polen (Appl. no. 64909/16); die Beschwerdeführerin, eine pensionierte Bauingenieurin, wurde wegen übler Nachrede verurteilt, nachdem sie in Briefen an den Vorstand ihrer Wohnungsgenossenschaft und an den Bürgermeister meinte, der für die Sanierung ihres Wohnhauses Verantwortliche sei kein richtiger Bauingenieur, habe das Vergabeverfahren beeinflusst und schlechte Qualität geliefert (die Briefe wurden auch in einer Zeitung veröffentlicht): 
  • 21.03.2018, Dimitrov gegen Bulgarien (Appl. no. 69725/10); der Beschwerdeführer hatte einer Zeitung Dokumente zu polizeilichen Ermittlungen betreffend einen Verkehrsunfall, bei dem verletzt worden war, gezeigt; daraufhin veröffentlichte die Zeitung einen Artikel, in dem unter anderem stand, ein Polizist habe den Fall an sich gezogen, weil der andere Unfallbeteiligte ein Freund von ihm sei; daraufhin wurde der Beschwerdeführer (der den Artikel nicht verfasst hatte!) wegen übler Nachrede verurteilt.
  • 21.03.2018, Miholič gegen Slowenien (Appl. no. 36024/16); Geldstrafe wegen Missachtung des Gerichts durch Äußerungen in einem Schriftsatz, in dem dem Richter mangelnde Professionalität und Voreingenommenheit vorgeworfen wurde.
  • 15.03.2018, Norman gegen Vereinigtes Königreich (Appl. no. 41387/17); Verurteilung eines Justizwachebeamten wegen Amtsmissbrauch (nach der Operation "Elveden"), weil er einer Daily Mirror- bzw. News of the World-Journalistin Informationen aus dem Gefängnis weitergegeben hatte.
  • 14.03.2018, Haber-Sen gegen Türkei (Appl. no. 23891/12); Verurteilung einer Gewerkschaft wegen einer Veröffentlichung in einer Tageszeitung, in der Kritik der Gewerkschaft an einem Beschaffungsvorgang der Rundfunkanstalt TRT in irreführender Weise wiedergegeben worden war und die Gewerkschaft keine Richtigstellung verlangt hat.
  • 13.03.2018, Cimperšek gegen Slowenien (Appl. no. 58512/16); Ingenieur, der die Prüfung für die Eintragung als Gerichtssachverständiger absolvierte; vor der Eidesablegung wurde ihm aber die Eintragung verweigert wegen der Inhalte eines von ihm veröffentlichten Blogs, in dem er offensive Kritik an staatlichen Einrichtungen und politischen Repräsentanten übte. 
  • 09.03.2018, Kazan gegen Türkei (Appl. no. 9909/13); Verurteilung eines Anwalts zu einer Entschädigung, weil er einen Staatsanwalt als "militant" bezeichnet hat, was - da dies an eine terroristische Organisation denken lasse - dessen Persönlichkeitsrechte verletzt habe 
  • 22.02.2018, Sağdıç gegen Türkei (Appl. no. 9142/16); der Beschwerdeführer wurde in Zeitungsartikeln als Mitglied einer kriminellen Organisation (Ergenekon) bezeichnet, scheiterte aber mit seiner Klage auf Entschädigung vor den nationalen Gerichten.
  • 20.02.2018, Navalny gegen Russland (Appl. no.1176/15); Verurteilung des Beschwerdeführers, nachdem er den Urheber einer gegen ihn gerichteten Fake News-Kampagne geoutet und als "con man" (аферист) bezeichnet hat.
  • 20.02.2018, Golubenko gegen Ukraine (Appl. no. 46928/07); Verurteilung eines Journalisten wegen eines Artikels über korrupte Praktiken in einer staatlichen Untersuchungsstelle.
  • 19.02.2018, Dimitriou gegen Griechenland (Appl. no. 62639/12); Eigentümer eines Fernsehsenders und einer Zeitung, hatte im Zuge einer Auseinandersetzung mit einem Politiker, der Zweifel an der Finanzierung seiner Medien geäußert hatte, u.a. ausgeführt, dass dieser Politiker ihn in den Schmutz ziehe, wofür er auf Antrag des Politikers zu einer Entschädigung verurteilt wurde. 
  • 16.02.2018, Gafiuc gegen Rumänien (Appl. no. 59174/13); Widerruf der Akkreditierung eines Journalisten, die ihm Zugang zu den Archiven der Securitate gab, nach der Veröffentlichung von Artikeln, die nach Ansicht des Archivs unzulässig in das Privatleben von Sportlern eingegriffen haben (der Journalist recherchierte über Sportler in der kommunistischen Zeit).
  • 15.02.2018, Stolbunov gegen Russland (Appl. no. 3402/15); Menschenrechtsaktivist, wurde wegen einer Rede in denen er angeblich illegale Machenschaften eines Beamten aufdeckte, wegen übler Nachrede verurteilt.
  • 15.02.2018, Cihaner ggen Türkei (Appl. no. 21126/15); Staatsanwalt, wegen Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation angeklagt, wurde in einem Zeitungsartikel mit den Worten zitiert: "Wir werden beweisen, dass die Gülen-Organisation eine kriminelle Organisation ist, und um das zu tun, werden wir Beweise erfinden." Seine Klage auf Entschädigung wegen dieses Artikels blieb erfolglos.
  • 08.02.2018, Tosheva gegen Bulgarien (Appl. no. 32638/11); Chefredakteurin einer Lokalzeitung, wurde zu einer Entschädigung an eine Ärztin verurteilt, wegen eines Artikels mit der Überschrift "Ärztin erschreckt Patienten mit fataler Diagnose", in dem über einen Krebs-Verdacht berichtet wurde, den die Ärztin nach einem Röntgenbild geäußert hatte; der vermeintliche Tumor war aber nur der Schatten eines Muttermals. 
  • 07.02.2018, Popescu gegen Rumänien (Appl. no. 79671/13); Verurteilung eines Journalisten zu einer Entschädigung zugunsten eines TV-Produzenten wegen Blogeinträgen über diesen in vulgärer Sprache, in der er ihn auch als "moralischen Urheber" eines Verbrechens bezeichnete.
  • 07.02.2018, Barbu gegen Rumänien (Appl. no. 66609/13); Verurteilung eines Journalisten zu einer Haftstrafe nach Veröffentlichung von Artikeln unter der Überschrift "Tod der Polizei" und "Erschießt die Richter".
  • 01.02.2018, Harutyunyan gegen Armenien (Appl. no. 15028/16); Mitarbeiter eines Energieversorgers, wandte sich an ein firmeninternes Whistleblower-System mit einem Bericht über einen möglichen Korruptionsfall im Unternehmen; der Bericht wurde dem Betroffenen gezeigt, worauf dieser ihn wegen Beleidigung/übler Nachrede klagte; der Beschwerdeführer wurde zu einer Entschuldigung und Entschädigung verurteilt.
  • 29.01.2018, Timakov und Ooo Id Rubzeh gegen Russland (Appl. nos. 46232/10 und 74770/10); Verurteilung eines Journalisten wegen Artikel mit Korruptionsvorwürfen gegenüber dem Gouverneur der Region Tula.
  • 29.01.2018, Sankin gegen Russland (Appl. no. 32186/10); Verurteilung wegen Vertriebs von Pornografie wegen des Verkauf von DVDs mit "hentai"-Cartoons.
  • 26.01.2018, Akinci und Kutlutürk gegen Türkei (Appl nos. 38758/09 und 38764/09); Chefredakteurin und Eigentümer einer Lokalzeitung, wurden wegen Veröffentlichung des Protokolls einer Zeugeneinvernahme in einem Ermittlungsverfahren verurteilt.
  • 23.01.2018, Borisova gegen Russland (Appl. no. 31662/17); Verurteilung wegen eines Postings im sozialen Netzwerk vk.com, in dem die Beschwerdeführerin eine private Nachricht eines Freunde zitierte, der sich in drastischer Weise über die intellektuellen und beruflichen Fähigkeiten eines namentlich genannten Polizeiangehörigen äußerte.
  • 23.01.2018, Mansurov gegen Russland (Appl. no. 37874/11); Verurteilung wegen Verteilens eines (extremistischen) islamischen Buchs in einer Moschee.
  • 23.01.2018, Ooo Redaktsiya Sem Na Sem und Yezhova gegen Russland (Appl. nos. 40050/17 und 50535/17); unabhängiges Online-Magazin und dessen Chefredakteurin; wurden von der Telekom-Regulierungsbehörde bestraft aufgrund der Verlinkung zweier satirischer YouTube-Videos mit profaner Sprache.
  • 22.01.2018, Ifandiev gegen Bulgarien (Appl. no. 14904/11); Journalist wurde wegen übler Nachrede verurteilt, weil er in einem Buch, u.a. er einer namentlich genannten Person vorwarf, Freimaurer und mit dem früheren kommunistischen Geheimdienst verbunden zu sein.
  • 22.01.2018, Dolapchiev gegen Bulgarien (Appl. no. 66614/11); Journalist wurde wegen eines Artikels, in dem er einer früheren Direktorin eines kommunalen Unternehmens Fehlverhalten vorwarf.
  • 22.01.2018, Shirokov gegen Russland (Appl. no. 41535/17); Bestrafung des Direktors einer NGO durch die Telekommunikationsbehörde, weil auf der Website der NGO Materialien veröffentlicht worden waren, ohne - wie vorgeschrieben - darauf hinzuweisen, dass sie von einer ausländischen Organisation stammen.
  • 19.01.2018, Makarov gegen Russland (Appl. no. 56105/17); Verurteilung zu 5 Tagen Arrest wegen des Postens eine Fotods von Präs. Putin mit Make-up. 
  • 19.01.2018, Semenov gegen Russland (Appl. no. 478710/17); Verurteilung wegen Publikation extremistischen Materials in drei Fällen (jeweils nur der Satz "Orthodoxie oder Tod"). 
  • 18.01.2018, Staniszewski gegen Polen, (Appl. no. 20422/15); Herausgeber eines Newsletters und Mitglied einer Wahlkommission wurde von Bürgermeisterkandidat erfolgreich verklagt und musste Aussagen im Newsletter widerrufen/zurückziehen und eine Geldzahlung leisten. 
  • 15.01.2018, Girin und Novaya Gaeta gegen Russland (Appl. no. 56439/14); Verurteilung wegen eines Berichts über einen Plagiatsverdacht im Hinblick auf die Dissertation eines Richters (der von seinem Doktorvater - einem ehemaligen Richter) abgeschrieben habe.
  • 15.01.2018, ZAO Informatsionnoye agentstvo "Rosbalt" gegen Russland (Appl.no. 16503/14); Verurteilung eines Informationsdienstes wegen des Berichts über Äußerungen eines Duma-Abgeordneten, der Untersuchungen gegen unethisches Vorgehen eines anderen Duma-Abgeordneten betreffend dessen Dissertation begonnen habe.  
  • 12.01.2018, Pannon Plakát Kft u.a. gegen Ungarn (Appl. no. 39859/14); Plakatierungsunternehmen, die von einer Einschränkung bisher erlaubter Plakate in der Nähe von Straßen außerhalb des Ortsgebiets betroffen sind.
  • 09.01.2018, Feldman und Savin gegen Russland (Appl. nos. 69854/14 und 12227/16); Festnahme wegen des Anbringens einer deutschen(!) Fahne auf dem Gebäude des Sicherheitsdiensts in Kaliningrad aus Protest gegen die Annexion der Krim.
  • 09.01.2018, Podrezov gegen Russland (Appl. no. 35581/16); Verurteilung, weil der Beschwerdeführer jemand anderem dabei geholfen hatte, den Turm auf einem Hochhaus zu erklettern und dort den Stern in den Farben der ukrainischen Fahne zu streichen.
  • 09.01.2018, Sanchez gegen Frankreich (Appl. no. 45581/15); Hate Speech; Verurteilung eines Front-National-Politikers wegen Provozierens zu Hass oder Gewalt gegen eine Person oder Personengruppe aufgrund ihrer Herkunft oder ethnischen, rassischen oder religiösen Zugehörigkeit, aufgrund von Postings auf seiner Facebook-Seite (eigene und fremde, die er trotz Aufforderung nicht oder erst verspätet entfernte).
  • 08.01.2018, Kashapov gegen Russland (Appl. no. 3973/16); Verurteilung eines Aktivisten aufgrund von Texten über den Ukraine-Konflikt auf seiner VKontakte-Seite.
  • 04.01.2018, Scheiring und Szabó gegen Ungarn (Appl. no. 609/14); Geldstrafe für Oppostionsabgeordnete wegen Störung einer Parlamentssitzung
2017
  • 18.12.2017, Mnatsakanyan gegen Armenien (Appl. no. 2463/12); Entlassung eines Richters, weil eine Entscheidung, mit der er einen Beschuldigten auf Kaution freigelassen hatte, vom Rat der Gerichtsbarkeit als nicht ausreichend begründet beurteilt wurde.
  • 18.12.2017, Łabądź gegen Polen (Appl. no. 10949/15); Gewerkschafter, wurde nach einer Protestaktion im Zusammenhang mit der möglichen Schließung eines Bergbaubetriebes, die vor dem Wohnhaus des stv. Vorstandsvorsitzenden stattgefunden hatte, wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte dieses Vorstandsmitglieds verurteilt.
  • 18.12.2017, Wójcik und Matkowski gegn Polen (Appl. no. 72274/13); Verurteilung wegen übler Nachrede zu Lasten einer lokalen Politikerin (im Zusammenhang mit eine Kampagne gegen die Schließung einer Bücherei).
  • 18.12.2017, Żłobińska-Perlicka gegen Polen (Appl. no. 66018/16); die Beschwerdeführerin wurde wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte eines Kandidaten für den Aufsichtsrat einer Wohnungsgenossenschaft verurteilt; sie hatte ihm Verbindungen zu Amber Gold vorgeworfen (einem Unternehmen, das in einen Finanzskandal verwickelt und inzwischen insolvent war).
  • 18.12.2017, Özdil gegen Türkei (Appl. no. 22341/07); sportliche Sanktionen gegen einen professionellen Bridgespiegler (Sperre für ein Jahr) wegen Beleidigungen gegenüber Führungsorganen des Bridge-Verbandes in einem Schreiben an den Generaldirektor für Jugend und Sport.
  • 15.12.2017, Herbai gegen Ungarn (Appl. no. 11608/15); Entlassung eines Bankmitarbeiters wegen eines Blogposts über die Kürzung von Bonuszahlungen.
  • 15.12.2017, Novaya Gazeta gegen Russland (Appl. no. 35043/13); Verurteilung wegen eines Artikels, in dem Vorwürfe eines Dritten gegenüber einem Bauunternehmen wiedergegeben wurden.
  • 12.12.2017, Novaya Gazeta und andere gegen Russland (Appl. no. 35023/13); Verurteilung, weil durch einen Artikel über führende Personen der Nashi-Bewegung der Eindruck erweckt worden sei, dass diese die Privatsphäre anderer verletzt hätten.
  • 01.12.2017, Patrício Monteiro Telo de Abreu gegen Portugal (Appl. no. 42713/15); Stadtrat, wurde wegen einer in seinem Blog veröffentlichten Karikatur eines politischen Gegners, die bereits in einer Zeitung erschienen war, verurteilt.
  • 01.12.2017, Kuzmin gegen Russland (Appl. no. 33513/13); Fotojournalist, wurde aus einem Wahllokal (bei der Präsidentenwahl) weggewiesen, weil er nicht vom vorgesehenen Platz aus gefilmt und auch seinen Presseausweis nicht vorgezeigt habe.
  • 01.12.2017, Macovei gegen Rumänien (Appl. no. 53028/14); Verurteilung einer früheren Justizministerin, zum relevanten Zeitpunkt Mitglied des Europäischen Parlaments, wegen einer in zwei Zeitungen zitierten Behauptung, dass zwei nationale Parlamentsabgeordnete korrupt seien.
  • 29.11.2017, Freitas Rangel gegen Protugal (Appl. no. 78873/13); strafgerichtliche Verurteilung eines Journalisten wegen Beleidigung einer juristischen Person (Gewerkschaft der Richter und Staatsanwälte) in einer Aussage vor einem Parlamentsausschuss zum Thema Meinungsfreiheit.
  • 28.11.2017, Rustavi 2 Broadcasting Company u.a. gegen Georgien (Appl. no. 16812/17); die Beschwerde betrifft eine gerichtliche Entscheidung, im Zuge einer Auseinandersetzung um die Eigentumsverhältnisse an einem Fernsehveranstalter die Vermögenswerte des Unternehmens einzufrieren.
  • 28.11.2017, Augusté gegen Litauen (Appl. no. 65717/14); Disziplinarstrafe des strengen Verweises gegen eine erstinstanzliche Richterin wegen Schädigung des Ansehens der Justiz, weil sie manche Verfahrensschritte nicht zeitgerecht gesetzt hatte und weil sie der Auslegung des übergeordneten Gerichts nicht gefolgt sei (und sich - gegen die Judikatur des Obergerichts - auf Rechtsprechung des EuGH gestützt hatte).
  • 28.11.2017, Carpen gegen Rumänien (Appl. no. 17021/12); leitender Staatsanwalt, der wegen Bestechungsvorwürfen zunächst in U-Haft war, wurde bis zur Hauptverhandlung freigelassen, u.a. unter der Auflage, nicht an audiovisuellen Aussendungen teilzunehmen, der Prese keine Interviews zu geben und keine Artikel (zur Strafsache) in den Medien zu publizieren; er erachtet sich dadurch in seinem Recht nach Art. 10 EMRK verletzt.
  • 24.11.2017, Kalfagiannis und Pospert gegen Griechenland (Appl. no. 74435/14); Beschwerde wegen der Schließung des griechischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkveranstalters ERT mit sofortiger Wirkung am 11.06.2013; Beschwerdeführer sind die Gewerkschaft der ERT-MitarbeiterInnen und deren Vorsitzender (der im Oktober 2017 übrigens zum Verwaltungsratsvorsitzenden der unter der Syriza-Regierung wieder neu eingerichteten ERT bestellt wurde).
  • 13.11.2017, Novaya Gazeta und Ismaylov gegen Russland (Appl. no. 11971/10); Verurtielung der Medieninhaberin einer Zeitung und eines Journalisten wegen zweier Artikel über die Entführung eines Freundes des Vaters des tschetschenischen Präsidenten (vom EGMR "anonymisiert" als "Mr. K."), der in diesem Bericht eine Beleidigung seiner selbst sah.
  • 07.11.2017, Naki und Amed SFK Derneği gegen Türkei (Appl. no. 48924/16); sportliche und finanzielle Sanktionen gegen einen Profi-Fußballer wegen Äußerungen in sozialen Medien
  • 07.11.2017, Tokmak gegen Türkei (Appl. no. 54540/16); Sperre eines Fußballschiedsrichters wegen Äußerungen in sozialen Medien. 
  • 02.11.2017, Cangi gegen Türkei (Appl. no. 24973/15); Informationszugang; Weigerung eines regionalen Naturschutzrats, das Protokoll einer Beratung über ein umstrittenes Dammbauprojekt an den Beschwerdeführer, Vertreter einer NGO, die gegen dieses Projekt auftritt, herauszugeben.
  • 02.11.2017 OOO Regnum gegen Russland (Appl. no. 22649/08); elektronisches Nachrichtenmedium, verurteilt wegen Kreditschädigung zulasten eines Apfelsaftherstellers nach Artikeln über eine Quecksilber-Vergiftung nach Konsum des Safts.
  • 31.10.2017, Radyo Boylam gegen Türkeit (Appl. no. 48380/10); Entzug einer Rundfunklizenz wegen des Inhalts einer Sendung.
  • 31.10.2017, Tuğcu gegen Türkei (Appl. no. 11972/12); Strafe wegen Nichtausfüllens eines Fragebogens des Statistischen Amts als Verletzung des Art. 10 EMRK?
  • 26.10.2017, Klimova gegen Russland (Appl. no. 33421/16); Strafe und Untersagung einer an LGBT-Teenager gerichteten Website sowie von VKontakte-Seiten wegen Verbreitens von Werbung für Homosexualität unter Minderjährigen.
  • 24.10.2017, Stolbunov und MOO Spravedlivost gegen Russland u.a. (Appl. no. 30084/11 u.a.); Auseinandersetzungen um die korrekte Veröffentlichung eines Widerrufs auf einer Website; Aufforderung zu Extremismus aufgrund der Reaktion eines Websitebetreibers auf ein Posting; Verurteilung eines Websitebetreibers, nachdem ein kreditschädigendes Posting trotz Verständigung nicht gelöscht worden war.
  • 23.10.2017, Titarenko gegen Russland (Appl. no. 33527/16); hate speech auf social media, Beschwerdeführer wurde zu einer Geldstrafe verurteilt (und später amnestiert), weil er auf seiner VKontakte-Seite einen Text mit der Überschrift "100 Millionen Dollar für die physische Auslöschung von V. Putin" geteilt hatte.
  • 23.10.2017, Yorum Radyo Televizyon (Appl. no. 58904/14); Nichtzuteilung einer Frequenz trotz Erteilung einer Rundfunklizenz.
  • 20.10.2017, Kışlaoğlu gegen Türkei (Appl. no. 3636/17); Zahnarzt, Disziplinarverurteilung wegen werblicher Aussagen in einer Fernsehsendung.
  • 19.10.2017, Samodurov und Yerofeyev bzw Savko gegen Russland (Appl. nos. 22081/11 und 59476/12); Museumsdirektor und Kurator der Ausstellung "verbotene Kunst", die ua religionskritische Werke zeigte, wurden wegen Aufstachelung zu Hass oder Zwietracht bzw zum Eingriff in die Menschenwürde zu einer Geldstrafe verurteilt; außerdem wurde das Werk "Bergpredigt" eines Künstlers aus demselben Grund verboten (nach Ansicht von Kritikern wären darin Jesus Christus und Mickey Mouse gleichgesetzt worden).
  • 19.10.2017, Anshakov gegen Russland (Appl. no. 9266/14); Obmann eines Konsumentenschutzvereins wurde wegen kritischer Aussagen in einem Zeitungsinterview betreffend Unregelmäßigkeiten in der Gebarung einer Stiftung verurteilt; der EGMR stellt auch die Frage, ob dem Beschwerdeführer aufgrund seiner Funktion im Konsumentenschutzverein ein ähnlicher Schutz  nach Art. 10 EMRK wie der Presse zukommen sollte.
  • 18.10.2017, Gerilla Press Kft gegen Ungarn (Appl. no. 43873/16); Internetportal hatte Fotos eines bekannten Politikers veröffentlicht, die während eines gegen diesen geführten Strafverfahrens aufgenommen wurden; die nationalen Gerichte hatten den Politiker nicht als "public figure"  beurteilt.
  • 12.10.2017, Dickinson gegn Türkei (Appl. no. 25200/11); Verurteilung wegen Beleidigung des Ministerpräsidenten durch eine Karikatur, die den Kopf des Premiers am Körper eines an der Leine geführten Hundes mit US-Flagge und der Aufschrift "wir werden nicht der Hund von Bush sein" zeigt.
  • 11.10.2017, Szabó gegen Ungarn (Appl. no. 48725/17); vom Parlamentspräsidenten verhängte Strafe gegen einen Abgeordneten wegen Störung der Parlamentssitzung.
  • 11.10.2017, SRG gegen Schweiz (Appl. no. 68995/13); Feststellung (auf Antrag des Vereins gegen Tierfabriken - VgT), dass SRG das Sachlichkeitsgebot verletzt hat, weil in einem Bericht über Botox die notwendigen Tierversuche nicht erwähnt worden waren (Urteil des Schweizer Bundesgerichts).
  • 02.10.2017, Arslan ua gegen Türkei (Appl. no. 47121/06); Verweigerung des Zugangs von Gefangenen zum Internet in einem Hochsicherheitsgefängnis - Verletzung des Art. 10 EMRK?
  • 27.09.2017, Kowalski gegen Polen (Appl. no. 40152/16); Gemeinderatsmitglied verlangte den Rücktritt der Gemeinderats-Vorsitzenden, nachdem diese gesagt hatte, das Mütter, die ihre Kinder töteten, "erschossen oder in die Gaskammer geschickt werden sollen, wie die Hitler getan hat"; wurde wegen übler Nachrede verurteilt.
  • 26.09.2017, Byvshev gegen Russland (appl. no. 25309/15); Beschwerdeführer veröffentlichte auf VKontakte in ukrainischer Sprache ein Gedicht über die Situation in der Krim; wurde wegen Aufstachelung zu Hass aus ethnischen oder nationalen Gründen verurteilt, als Lehrer entlassen, und seine Bankguthaben wurden eingefroren.
  • 26.09.2017, Loskutov gegen Russland (Appl. no. 12543/13); Verwaltungsstrafen wegen Entweihung religiöser Symbole; hatte Plakate in der Form orthodoxer Ikonen aufgehängt, mit Sturmhauben über den Köpfen (als Unterstützung für Pussy Riot).
  • 26.09.2017, Luzgin gegen Russland (Appl. no. 17942/17); "fake news" - der Beschwerdeführer hatte über VKontakte einen Link zu einem Text über die Geschichte der ukrainischen Rebellenarmee geteilt; wurde wegen Leugnens der vom Nürnberger Tribunal festgestellten Fakten sowie wegen Verbreitens unwahre Informationen über die Aktionen der UdSSR um zweiten Weltkrieg verurteilt.
  • 22.09.2017, Paykachev gegen Russland (Appl. no. 11265/17); Nichtzulassung eines Journalisten zur Berichterstattung über ein Verfahren wegen übler Nachrede gegenüber einem Polizisten.
  • 22.09.2019, Turgut gegen Türkei (Appl. no. 41383/09); Strafverfahren gegen Journalisten wegen Beeinflussung der Justiz aufgrund eines Berichts über ein noch nicht rechtskräftiges Urteil
  • 22.09.2017, Kurt gegen Türkei (Appl. no. 9763/12); Strafverfahren gegen Journalisten wegen Verletzung der Vertraulichkeit in einem Strafverfahren.
  • 21.09.2017, Bayar gegen Türkei (Appl. no. 87/09); Verurteilung eines Chefredakteurs, weil er durch einen Artikel einen Staatsanwalt zum Ziel terroristischer Organisationen gemacht habe.
  • 21.09.2017, Doğan gegen Türkei (Appl no. 48909/14); Disziplinarstrafe gegen Fußballklub-Obmann durch den Disziplinarrat des türkischen Fußballverbands wegen Äußerungen im TV und in den sozialen Medien.
  • 21.09.2017 Radyo Boylam gegen Türkei (Appl. no. 47273/10); Verwarnung durch den Rat für audiovisuelle Dienste wegen des Inhalts einer Nachrichtensendung. 
  • 20.09.2017, Maglevannaya ua gegen Russland (Appl. no. 13002/10 ua); Verfahren wegen übler Nachrede/Herabsetzung durch Internetveröffentlichungen; zu prüfen ist die russische Rechtslage, die für Veröffentlichungen auf nicht mit den Behörden registrierten Websites die "normalen" Haftungsbestimmungen anwendet, nicht aber jene für Medien.
  • 18.09.2017, Dolata gegen Polen (Appl. no. 74409/16); Grundbesitzer, der sich gegen die Erneuerung einer Stromleitung auf seinem Grundstücke wehrte, wurde wegen übler Nachrede gegenüber dem für die Genehmigung verantwortlichen Beamten verurteilt.
  • 18.09.2017, Ekayev gegen Russland (Appl. no. 29396/15); Journalist/Anwalt und Menschenrechtsaktivist hatte über Korruption an einem Kreisgericht geschrieben und insbesondere den Gerichtspräsidenten als bestechlich bezeichnet; in der Folge kritisierte er auch einen weiteren Richter als kleinen Despoten, weshalb gegen ein ein Verfahren wegen Herabwürdigung des Gerichts eingeleitet wurde, bei dem er in zweiter Instanz vom Kreisgericht (dessen Präsidenten und Richter er kritisiert hatte) verurteilt wurde.
  • 18.09.2017, Mochalov ua gegen Russland (Appl. no. 9163/13 ua); Verbot eines Zeitschriftenartikels über die Rolle der tschuwaschischen Sprache in Russland wegen Extremismus und Überwachung des Telefons des Journalisten wegen des Verdachts von Kontakten mit Extremisten.
  • 13.09.2017, Tête gegen Frankreich (Appl. no. 59636/16); früherer Vizebürgermeister von Lyon, der als Anwalt auch Gegner des Stadionbaus von Olympique Lyonnais (OL) vertreten hat, warf in einem Schreiben an den Präsidenten der Finanzmarktaufsicht OL vor, im Basisdokument vor dem Börsegang irreführende Angaben zum damals geplanten Stadionbau gemacht zu haben, wurde dafür wegen Falschbeschuldigung (dénonciation calomnieuse) verurteilt.
  • 11.09.2017, Ganbarova ua gegen Aserbaidschan (Appl. no. 1158/17 ua); Reiseverbote gegen Journalisten, die als Zeugen in Strafverfahren gegen ihren Arbeit-/Auftraggeber vernommen werden sollten.
  • 08.09.2017, Kablis gegen Russland (Appl. no. 59663/17); Sperre des VKontakte-Accounts und dreier Blogposts des Beschwerdeführers mit Kritik an einer nicht erteilten Veranstaltungsgenehmigung.
  • 07.09.2017, Rabczewska gegen Polen (Appl no. 8257/13); bekannte polnische Sängerin ("Doda") wurde wegen Verletzung religiöser Gefühle zu einer Geldstrafe verurteilt,weil sie in einem Interview die Bibel als "the writings of someone wasted from drinking wine and smoking some weed" bezeichnet hatte (im Interview war ihr die damalige Beziehung zu einem Death Metal-Musiker, der anti-christliche Stimmung verbreite, vorgehalten worden).
  • 06.09.2017, Nikolov gegen Bulgarein (Appl. no. 6285/09); Direktor des Verlags und der Druckerei des Statistikamts war entlassen worden; nachdem die Entlassung von einem Gericht aufgehoben worden war, konnte er seinen früheren Job wegen einer Reorganisation nicht antreten, was dem Direktor des Statistischen Amts vorwarf, gegen den er eine Strafanzeige einbrachte; in der Folge wurde er wegen Falschbeschuldigung zu einer Entschädigung an den Direktor verurteilt.
  • 04.09.2017, Siwy gegen Polen (Appl. no. 62360/13); Zollbeamter und Vorsitzender der Zöllnergewerkschaft wurde nach einem Rundfunkinterview disziplinär verwarnt; er hatte eine neue Zoll-Vorschrift als gesetzwidrig bezeichnet und Verständnis für die Proteste dagegen gezeigt.
  • 04.09.2017, Rebechenko gegen Russland (Appl. no. 10257/17); Verurteilung wegen übler Nachrede durch ein YouTube-Video.
  • 31.08.2017, Ooo Izdatel Ezhayev A.K. gegen Russland (Appl no. 25051/11); Verbot zweier muslimischer Bücher wegen extremistischer Inhalte.
  • 30.08.2017, OOO Flavus ua gegen Russland (Appl. no. 12468/15 ua); Website-Sperren auf Anordnung des Generalstaatsanwalts an die Telekom-Regulierungsbehörde.
  • 08.08.2017, Sivoldayev gegen Russland (Appl. no. 39954/15); Ausschluss eines Journalisten von einer Gerichtsverhandlung betreffend eine angeblich ohne Zustimmung erfolgte Organentnahme bei einer Verstorbenen.
  • 11.07.2017, Haji ua gegen Aserbaidschan (Appl. no. 3503/10 ua); Fälle körperlicher Misshandlung bzw. Angriffe auf Journalisten in Aserbaidschan; geltend gemacht werden jeweils Verletzungen des Art. 3 EMRK (wegen mangelndem Schutz vor erniedrigender Behandlung bzw. mangelhafter Aufklärung in diesem Zusammenhang) sowie des Art. 10 EMRK.
  • 10.07.2017, Garapova ua gegen Russland (Appl. nos . 8921/15, 10964/15, 14673/17 und 30328/17); die BeschwerdeführerInnen wurden verurteilt, weil sie auf ihrer vk.com-Seite (VKontakte - facebook-ähnliche russische Plattform) Videos verlinkt hatten, die als extremistisch beurteilt wurden (ein Video des Bloggers und Oppositionspolitikers Navalny und ein Musikvideo russischer Hiphop-Bands).
  • 06.07.2017, Jecker gegen Schweiz (Appl. no. 35449/14); Quellenschutz; der Journalistin wurde in einem Strafverfahren kein Zeugnisverweigerungsrecht gewährt; sollte Auskunft über Identität eines Dealers geben.
  • 05.07.2017 Todorova gegen Bulgarien (Appl. no. 40072/13); die Beschwerdeführerin ist Richterin und war wegen einer Lehrverpflichtung zur Richterausbildung überwiegend freigestellt; zudem war sie Vorsitzende einer Richtervereinigung und kritisierte in dieser Funktion u.a. Entscheidungen des Obersten Justizrats zur Ernennung von Gerichtspräsidenten, insbesondere auch im Hinblick auf den neuen Präsidenten jenes Gerichts, an dem sie tätig war (wegen Interessenskonflikten; dieser Gerichtspräsident war zudem ein enger Freund des Innenministers); in der Folge wurde eine Revision der Tätigkeit dieses Gerichts vorgenommen und festgestellt, dass (u.a.) die Beschwerdeführerin in mehreren Fällen mit der Ausfertigung von Entscheidungen säumig war. In einem Interview des Innenministers in einer Zeitung warf ihr dieser vor, ein Verfahren gegen die Drogenmafia zu verzögern (Untertitel des Interviews: dient die Richterin Todorova dem organisierten Verbrechen?). Die Richterin brachte eine Verleumdungsklage ein, das Verfahren wurde danach zweimal unterbrochen (weil der Minister zum Abgeordneten gewählt wurde und Immunität genoss) und schließlich wegen Verjährung eingestellt. Die Richterin wurde vom Obersten Justizrat ihres Amtes enthoben, was im Instanzenzug schließlich aufgehoben und im zweiten Rechtsgang zu einer Versetzung ans Bezirksgericht umgewandelt wurde. Die Beschwerdeführerin stützt sich auf Art. 6, 8, 10 und 14 EMRK.
  • 04.07.2017, Follorou und Johannès gegen Frankreich (Appl. nos. 30635/17 und 30636/17); Vereinbarkeit der Überwachungsmaßnahmen aufgrund der loi no 2015-912 vom 24. Juli 2015 mit Art. 8 und 10 EMRK; die Beschwerdeführer sind Journalisten bei Le Monde.
  • 03.07.2017, Şık gegen Türkei (Appl. no. 36493/17); Journalist bei Cumhuriyet, wurde nach dem gescheiterten Putschversuch festgenommen. Die Beschwerde ist gestützt sowohl auf Art. 5 EMRK als auch auf Art. 10 EMRK.
  • 03.07.2017, Yücel gegen Türkei (Appl. no. 27684/17); türkischer Korrespondent der deutschen Tageszeitung Die Welt, wurde wegen des Verdachts der Zugehörigkeit zu einer terroristischen Organisation und des illegalen Besitzes persönlicher Daten in Untersuchungshaft genommen. Die Beschwerde ist gestützt sowohl auf Art. 5 EMRK als auch auf Art. 10 EMRK. Der EGMR stellt auch die Frage, ob der innerstaatliche Instanzenzug erschöpft ist.
  • 27.06.2017, ООО "Телеканал Дождь" (Telekanal Dozhd) gegen Russland (Appl. no. 28873/15); unabhängiger TV-Sender, wurde zu einer Entschädigung an zwei Personen verurteilt, die die Belagerung Leningrads im Zweiten Weltkrieg überlebt haben, wegen einer Sendung, in der am Vorabend des 70. Jahrestags des Endes der 872 Tage dauernden Belagerung der Stadt ausgestrahlt wurde, und in der eine Umfrage gezeigt wurde zum Thema "Hätte Leningrad aufgegeben werden sollen um hunderttausende Leben zu retten?"
  • 16.06.2017, Milshteyn gegen Russland (Appl. no. 1377/14); Herausgeber eines Magazins einer Sekte von Sonnenanbetern, in dem auch zur Eigenbehandlung mit "Aktivtee" bei zahlreichen Krankheiten aufgerufen wurde; sieben Ausgaben des Magazins wurden als extremistische Literatur behördlich eingezogen und die religiöse Gruppe wurde aufgelöst.
  • 13.06.2017, Ali Bulaç (Appl. no. 25939/17); Journalist bei Zaman, einer der Gülen-Bewegung nahestehenden Zeitung, die nach dem gescheiterten Putschversuch geschlossen wurde; Ahmet Hüsrev Altan gegen Türkei (Appl. no. 13252/17); Schriftsteller und Journalist; Ayşe Nazlı Ilıcak gegen Türkei (Appl. no. 1210/17); frühere Aktivistin einer aufgelösten politischen Partei, Präsentatorin in einem TV-Programm, das nach dem gescheiterten Putschversuch behördlich eingestellt wurde; Atilla Taş Murat Aksoy (Appl. nos. 72/17 und 80/17); Sänger und Kolumnist in einer nach dem gescheiterten Putschversuch geschlossenen Zeitschrift bzw. Journalist; die Beschwerdeführer wurden nach dem gescheiterten Putschversuch festgenommen und befinden sich noch in Haft: die Beschwerden stützen sich jeweils auf Art. 5 und Art. 10 EMRK; der EGMR stellt jeweils auch die Frage, ob der innerstaatliche Instanzenzug ausgeschöpft wurde.
  • 08.06.2017, Sabuncu ua gegen Türkei (Appl. no. 23199/17; legal summary); die Beschwerdeführer sind Journalist und andere Mitarbeiter der Cumhuriyet; nach einer Durchsuchung am 31.10.2016 wurden sie (mit Ausnahme eines zu dieser Zeit im Ausland befindlichen Beschwerdeführers) festgenommen wegen des Verdachts der Unterstützung sowohl der PKK als auch der Gülenisten; sie befinden sich weiterhin in Untersuchungshaft; die Beschwerde ist gestützt sowohl auf Art. 5 EMRK als auch auf Art. 10 EMRK.
  • 23.05.2017, Prpić gegen Kroatien (Appl. no. 19425/15); Entlassung eines Piloten der Croatia Airlines wegen rufschädigender Äußerungen über die Fluglinie in den Medien, unter anderem mit der Behauptung mangelnder Qualifikation eines anderen Piloten.
  • 18.05.2017, Gridneva gegen Aserbaidschan (Appl. no. 29578/11); Zeugin Jehovas wurde wegen Verteilung religiöser Literatur, deren Import nicht genehmigt worden war, verurteilt.
  • 17.05.2017, OOO Informatsionnoye Agentstvo Tambov-Inform gegen Russland (Appl. no. 43351/12), Geldstrafen wegen Verletzungen der Wahlgesetze durch Veröffentlichungen auf der Website (wahlwerbende Artikel und Online-Polls).
  • 17.05.2017, Tagiyev und Huseynov gegen Aserbaidschan (Appl. no. 13274/08); hate speech; Verurteilung eines Journalisten und eines Medieninhabers wegen eines islamkritischen Artikels (wegen Aufstachelung zu religiösem Hass).
  • 16.05.2017, Tagiyev gegen Aserbaidschan (Appl. no. 72611/14); die Beschwerdeführerin ist die Frau eines Journalisten, der nach der Veröffentlichung islam- und Iran-kritischer Artikel ermordet wurde; sie macht neben Verletzungen des Art. 2 EMRK auch die Verletzung des Art. 10 EMRK geltend, weil der Staat seinen positiven Verpflichtungen zum Schutz des Journalisten nicht nachgekommen sei.
  • 15.05.2017, Redaktsiya Gazety Gryivna, PP, gegen Ukraine (Appl. nos. 41214/08 und 49440/08); Medieninhaberin einer Regionalzeitung in Kherson wurde wegen (sehr) kritischer Artikel über den vorsitzenden Richter des regionalen Berufungsgerichts zu Entschädigungszahlungen verurteilt.
  • 15.05.2017, Basok gegen Russland (Appl. no. 10252/10); Journalist wurde bei einer Protestveranstaltung (bei der er als Journalist anwesend war) von einem Polizeibeamten angegriffen und geschlagen; seine Beschwerde wurde von den nationalen Gerichten abgewiesen.
  • 15.05.2017, Agentstvo Televideniya Novosti gegen Ukraine (Appl. no. 34155/08); Rundfunkgesellschaft, wurde wegen Nachrichtenbeiträgen über einen Verkehrsunfall zu einer Entschädigung verurteilt, weil sie fälschlicherweise berichtet habe, dass das Unfallopfer unter einfluss von Alkohol und Drogen den Vorfall selbst verursacht habe.
  • 10.05.2017, Ciorici gegen Rumänien (Appl. no. 57838/14); Chefredakteur eines lokalen Magazins, bezeichnete eine Berufungsrichterin als "butonul" (vom EGMR übersetzt als "bouton-poussoir", Knopf-Drücker) der Staatsanwaltschaft, zog ihre Unabhängigkeit und Unparteilichkeit in Zweifel und behauptete - unter Berufung auf nicht genannte Quellen -, dass gegen diese Richterin eine Untersuchung geführt worden sei; er wurde dafür zu einer Entschädigung von umgerechnet rund 18.000 € verurteilt.
  • 05.05.2017, Standard Verlagsgesellschaft mbH gegen Österreich (Appl. no. 39378/15); Herausgabe der Nutzerdaten von Postern im derstandard.at-Forum; OGH-Urteile vom 15.12.2014, 6 Ob 188/14m (Kläger war H.K., Nationalratsabgeordneter und Generalsekretär einer politischen Partei; es ging um Postings unter diesem Artikel) sowie vom 19.02.2015, 6 Ob 145/14p (Kläger waren Ing. K.S., damals Klubobmann einer politischen Partei im Landtag, sowie diese politische Partei; es ging um Postings unter diesem Artikel).
  • 27.04.2017, Kharitonov gegen Russland (Appl. no. 10795/14); "overblocking", Beschwerdeführer ist Betreiber einer Website über elektronisches Publizieren, die von Dreamhost gemeinsam mit anderen Websites unter einer IP-Adresse gehostet wurde. Diese IP-Adresse wurde von der Telekombehörde auf eine blacklist gesetzt, um den Zugang zu einer ebenfalls unter dieser Adresse gehosteten Website mit illegalem Inhalt zu sperren; siehe zu diesem Fall den Beitrag von Martin Husovec auf seinem Blog (mit Link zu einer Third Party Intervention des European Information Society Institute).
  • 26.04.2017, Anatol Mătăsaru gegen Republik Moldau (Appl. nos. 69714/16 and 71685/16); Aktivist hatte vor dem Büro des Obersten Staatsanwalts zwei große hölzerne Skulpturen eines Pensi und einer Vulva mit Bildern des Parlamentspräsidenten und hochrangiger Staatsanwälte aufgebaut, um damit gegen Korruption und politische Einflussnahme zu protestieren; wurde dafür zu zwei Jahren Haft verurteilt (ein Medienbericht dazu).
  • 26.04.2017, Paraskevopoulos gegen Griechenland (Appl. no. 64184/11); Taxi-Fahrer, der wegen eines Artikels verurteilt wurde, in dem er einem lokalen Politiker vorgeworfen hatte, auf öffentlichem Land vor dem eigenen Grundstück Bäume ohne Bewilligung gepflanzt zu haben.
  • 26.04.2017, Bon gegen Kroatien (Appl. no. 26933/15); Umweltaktivist, wurde verurteilt, weil er einen lokalen Politiker als "echte Kakerlake" bezeichnet hatte.
  • 26.04.2017, Association confraternelle des journalistes de la presse judiciaire ua gegen Frankreich (Appl. nos. 49526/15, 49615/15, 49616/15, 49617/15, 49618/15, 49619/15, 49620/15, 49621/15, 55058/15, 55061/15, 59602/15, 59621/15); Beschwerde gegen die im "code de la sécurité intérieure" (CSI) vorgesehenen Überwachungsmaßnahmen.
  • 07.04.2017, Baldassi ua gegen Frankreich (Appl. no. 15271/16); Verurteilung wegen "wirtschaftlicher Diskriminierung" aufgrund eines Boykottaufrufs betreffend Produkte aus Israel.
  • 05.04.2017, Mándli ua gegen Ungarn (Appl. no. 63164/16); (zunächst unbefristeter) Verweis von JournalistInnen aus dem Parlament wegen Verstößen gegen eine Anordnung des Parlamentspräsidenten; kein Rechtsmittel.
  • 04.04.2017, Société éditrice de Mediapart ua sowie Plenel und Société éditrice de Mediapart gegen Frankreich (Appl. nos. 281/15 und 34445/15); Verurteilung nach Veröffentlichung von Teilen eines Transkripts von heimlich gemachten Aufnahmen aus dem Haus Bettencourt
  • 28.03.2017, Associazione Politica nazionale Lista Marco Pannella und Radicali Italiani gegen Italien (Appl. no. 20002/13); die politischen Organisationen beschweren sich über die Nichteinhaltung von Art. 4 der Legge n. 103 del 14 aprile 1975 über Sendungen mit politischem Inhalt ("tribune politiche"); im Vordergrund steht die Frage, ob es ein wirksames nationales Rechtsmittel gab; gefragt wird aber auch, ob der nationale Rechtrsahmen effektive Medienvielfalt garantierte.
  • 28.03.2017, Associazione Politica nazionale Lista Marco Pannella gegen Italien (Appl. no. 66984/14); die Rundfunk-Regulierungsbehörde AGCOM hatte, in Ausführung eines verwaltungsgerichtlichen Urteils, die RAI verpflichtet, Mitglieder einer politischen Organisation in eine Reihe von Talk-Shows einzuladen; dies wurde aber nur teilweise durchgesetzt.
  • 28.03.2017, Erkizia Almandoz gegen Spanien (Appl. no. 5869/17); baskischer Politiker, hatte bei einer Veranstaltung zum Gedenken an einen verstorbenen ETA-Führer das Publikum gebeten, darüber nachzudenken, welcher Weg der adäquate sei - sei es der, dem Staat den größten Schaden zuzufügen oder sei es der, das Volk zu einem neuen demokratischen Szenario zu führen. Er wurde dafür wegen Entschuldigung des Terrorismus zu einem Jahr Haft und sieben Jahren Verlust der Wählbarkeit verurteilt; die erste Frage des EGMR bezieht sich darauf, ob es sich hier um einen Akt der Aufstachelung zu Hass handle, wie das spanischer Verfassungsgericht angenommen hat.
  • 26.01.2017, Kaboğlu und Oran gegen Türkei (Appl. no. 1759/08); Hate Speech; die Beschwerdeführer waren Universitätsprofessoren und von der Regierung bestellte Mitglieder des türkischen beratenden Menschenrechtsausschusses; nachdem sie einen Bericht über Minderheitenrechte veröffentlichten, wurden sie in ultra-nationalistischen Zeitungen scharf und extrem herabsetzend kritisiert, teilweise auch zumindest indirekt bedroht; Gerichtsverfahren gegen diese Medien blieben erfolglos; die - auf Art. 8 und 10 EMRK gestützte - Beschwerde an den EGMR macht geltend, dass die Regierung ihre positiven Verpflichtungen zum Schutz vor Hate Speech, Beleidigungen und Bedrohungen nicht erfüllt habe.
  • 23.01.2017, Atamanchuk gegen Russland (Appl. no. 4493/11); Hate Speech; Verurteilung wegen eines (in zwei kleineren Regionalzeitungen veröffentlichten) Artikels, in denen der Beschwerdeführer darlegte, nicht an der Präsidentenwahl teilzunehmen und dabei negativ über nicht ethnisch russische Personengruppen schrieb.
  • 20.01.2017, Poghosyan gegen Armenien (Appl. no. 37712/13); Beschwerdeführerin war Direktorin eines von der Regierung errichteten Fonds; sie wurde von einem hohen Regierungsbeamten angehalten, wesentliche Arbeit des Fonds von einem bestimmten privaten Unternehmen durchführen zu lassen und sprach in diesem Zusammenhang in einem Radiointerview von einem klassischen Geldwäsche-Schema; Verurteilung wegen übler Nachrede.
  • 19.01.2017, Severyn gegen Ukraine (Appl. no. 50256/08); Informationszugang; Antrag eines Menschenrechtsaktivisten an das ukrainische Verfassungsgericht, Informationen über die Anzahl von Individualbeschwerden sowie über die Anzahl der erfolgreichen Beschwerden herauszugeben.
  • 17.01.2017, Dareskizb gegen Armenien (Nr. 2) (Appl. no. 64004/11); Medieninhaberin einer Zeitung, Verurteilung wegen Artikeln, in denen Parlamentsabgeordneten vorgeworfen wurde, auf einer Liste der russischen Strafverfolgungsbehörden mit Korruptionsverdächtigen zu stehen.
  • 13.01.2017, ATV ZRT gegen Ungarn (Appl no. 61178/14); Geldbuße wegen einer Verletzung journalistischer Regeln in TV-Programm; Nachrichtensprecher hatte Jobbik als "parlamentarische extreme Rechte" bezeichnet und damit - so die nationalen Behörden - eine Meinung geäußert, was nach dem ungarischen Mediendienstegesetz in einer politischen Nachrichtensendung unzulässig ist (siehe zum Vorfall hier).
  • 03.01.2017, Privacy International gegen Vereinigtes Königreich (Appl. no. 60646/14); Recht auf Zugang zu Informationen betreffend Government Communications Headquarters (GCHQ).
2016
2015
2014
2013
2012
2011
2010
  • 20.09.2010: Ponomarev ua gegen Russland (Appl. no. 4718/07); Verurteilung von Menschenrechtsaktivisten wegen einer (angemeldeten) Demonstration im Zusammenhang mit FSB-Vorwürfen, dass Menschenrechts-NGOs von ausländischen Geheimdiensten finanziert würden
  • 16.09.2010: Ashirov und International Memorial gegen Russland (Appl. no. 25246/07); Oberster Gerichtshof verbot Hizb ut-Tahrir als-Islami; Memorial ersuchte den Obersten Mufti des asiatischen Teils Russlands um ein Gutachten zur Literatur dieser Organisation, das veröffentlicht wurde; sowohl der Mufti als auch Memorial wurden deshalb verwarnt - Beschwerde richtet sich gegen diese Verwarnungen.
  • 10.06.2010: Batenev gegen Russland (Appl. no. 14620/08): Verurteilung wegen eines Transparents mit der Aufschrift "Putin ist besser als Hitler"
  • 01.06.2010: Savenko gegen Russland (Appl. no. 29088/08); der Beschwerdeführer ist Schriftsteller (Pseudonym Limonov) und Oppositionspolitiker; in einer Radio-Diskussion über eine Gerichtsentscheidung sagte er, dass die Moskauer Gerichte vom Bürgermeister Luzkhov kontrolliert würden und wurde vom Bürgermeister deshalb wegen übler Nachrede geklagt.

No comments :